Einführung des doppischen Haushaltwesens: Ergebnishaushalt wird erstellt - Vermögensrechnung, Ergebnishaushalt, Produkte und Produktbereiche, Sachkontenplan, Teilhaushalt ... Schlagwörter, die in der Freiberger Stadtverwaltung derzeit in allen Bereichen an der Tagesordnung sind. Denn die Universitätsstadt stellt ihr Haushalts- und Rechnungswesen um – von der Kameralistik auf den so genannten doppischen Haushalt, dem die Vermögenswerte zu Grunde liegen.

Dafür wird das Vermögen der Stadt betrachtet, erfasst sowie bewertet. Damit werden Aussagen zur Entwicklung des Vermögens der Stadt Freiberg möglich, denn die Doppik berücksichtigt den Werterhalt bzw. -verlust (Abschreibung). Der erste doppische Haushalt soll im ersten Quartal nächsten Jahres vorliegen. Dafür arbeiten in der Verwaltung rund 50 Mitarbeiter in vier Projektgruppen sowie weitere Mitstreiter seit Januar vergangenen Jahres. Parallel zum Erfassen und Bewerten des Vermögens wird derzeit der Ergebnishaushalt beplant. Dieser spiegelt die Erträge und Aufwendungen wider.

Dazu werden die vorliegenden Haushaltsansätze aus der Kameralistik in den doppischen Haushalt überführt. Eine, die damit derzeit täglich neben ihrer eigentlichen Arbeit beschäftigt ist, ist Andrea Göhler. Die Haushaltssachbearbeiterin passt die für die laufenden Ausgaben im Tiefbauamt notwendigen Mittel an die neuen gesetzlichen Forderungen an. Dafür stellt sie für die gebildeten Produkte die entsprechenden Sachkonten zusammen.

Waren beispielsweise bisher in der Straßeninstandhaltung alle Straßen gemeinsam erfasst, werden nunmehr separate Produkte gebildet. Das heißt, die Straßen werden getrennt nach Gemeindestraßen oder Kreis-, Staats- und Bundesstraßen erfasst.

So besteht beispielsweise das Produkt „Gemeindestraße" aus verschiedenen Sachkonten. „Ich weise hier den Anteil am Aufwand für die Unterhaltung des Straßenkörpers zu“, erklärt Andrea Göhler. „Gleichzeitig wird in diesem Produkt auch die Unterhaltung des Straßenbegleitgrüns, der Lichtsignalanlagen oder der Anzüchte angesiedelt, um nur einige Beispiele zu nennen.“

Dabei komme es darauf an, „dass wir wirklich keine einzelnen Ansätze vergessen.“ Die Schwierigkeit hierbei liegt im Detail, denn es laufen viele verschiedene Verantwortungen zusammen. Das ist neu. „Bei den neuen Sachkonten ist es wie bei einem große Puzzle: Ganz viele kleine Ansätzen fügen wir zu einem großem Ganzen zusammen“, zieht sie einen sehr bildhaften Vergleich. Konkret heißt das, die bestehenden Haushaltstellen aufzudröseln und neu zu Produkten zusammen zu fügen. War sie bisher Herrin von 200 Haushaltstellen in 10 Unterabschnitten, werden es künftig 20 Produkte im Tiefbauamt mit 250 Sachkonten sein.

Und trotz der täglichen Mehrbelastung zeigt sie Optimismus: „Der doppische Haushalt ist sehr anspruchsvoll und die doppische Denkweise müssen wir uns erst noch erarbeiten, aber dann haben wir ein Instrument, mit dem wir beispielsweise die Kosten der Gemeindestraßen ganzheitlich betrachten und damit Aussagen zum Vermögenswert der Straßen treffen können, um so den Entscheidungsträgern wirtschaftliche Erfordernisse und Möglichkeiten aufzuzeigen."

Noch pflegt sie die Haushaltansätze in das neue Programm ein. 70 Prozent schätzt sie „im Kasten zu haben“ ... und den restlichen 30 wird sie zeitnah auch noch schaffen, ist sie sicher.