Geschrieben von: Naturpark Muldenland e.V.   
Dienstag, den 21. Juni 2011 um 18:32 Uhr

Geopark im Muldenland gegründet

110621geopark-gruendungElf Kommunen aus den Landkreisen Leipzig und Mittelsachsen greifen nach den Steinen. Sie schlossen sich am Freitagvormittag in Börtewitz zu einer Kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) „Geopark im Muldenland“ unter dem Dach des Vereins Naturpark Muldenland zusammen. In dessen Geschäftsstelle in Grimma hat auch der Geopark ab sofort sein Koordinierungsbüro. Noch agiert die Arbeitsgemeinschaft unter einem Arbeitstitel. Der passende und mitreißende Name des Geoparks muss noch gemeinsam gefunden werden. Doch die Kooperation wurde bereits standesgemäß besiegelt: Wo Geologen in Börtewitz nach den Resten eines 290 Millionen Jahre alten Sees unter der Grasnarbe fahnden, beschlossen Bürgermeister aus elf Städten und Gemeinden Zusammenarbeit für die nächsten Jahre. Dr. Harald Walter vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie stellte die Grabung vor. Gut aufbereitet könnte sie mitsamt den Funden an Millionen Jahre alten Pflanzenresten und Fossilien, darunter Abdrücke des Süßwasserhais zu einer der touristischen Attraktionen des Geoparks werden.

Denn die Region zwischen Rochlitz, Mügeln und Thallwitz hat eine höchst interessante Erdgeschichte zu erzählen. Alles dreht sich in der Entstehung um den Vulkanismus. Aus gewaltigen Eruptionen, Lava und Glutwolken sind die prägenden Steine der Region entstanden – Porphyr in vielen Ausprägungen und als ganz besonderer Werkstoff der rote Porphyrtuff. Von interessanten erdgeschichtlichen Episoden berichten unter anderem die Gletscherschliffe in Hohburg, die den Wissenschaftlern endgültig verrieten, wie weit sich Eis ins Inland geschoben hatte.

110621entdeckung_am_aufschluss_boertewitzFür Interessierte gut in Szene gesetzt sind Teile dieser spannenden Geschichte bereits im Geopark Nordsachsen. Im Herrenhaus Röcknitz, im Steinarbeiterhaus Hohburg und im Museum für Ur- und Frühgeschichte Frauwalde kann man erleben, was die Erde formte und die Menschen sich Quarzporphyr und Kaolin zu Nutze machten. Noch in diesem Jahr soll in Röcknitz ein Geo-Erlebnisgarten eingeweiht werden. Thallwitz und Hohburg sind in der Kooperation Vorreiter. Sie bringen den kleinen Geopark als Pilotprojekt ein. Mit dabei ist die Stadt Rochlitz, die mit dem Rochlitzer Berg einen Nationalen Geotop hütet. Am Rochlitzer Berg gibt es nicht nur einen Porphyr-Lehrpfad zu entdecken, für den Berg wurde bereits ein ganzes Konzept entwickelt. Angeschlossen hat sich der Kooperation auch die Kaolinregion mit der Stadt Mügeln. Kaolin ist ein Verwitterungsprodukt des Porphyrs. Das Kaolin aus Colditz und Kemmlitz hat in Sachsen Kulturgeschichte geschrieben als Rohstoff für das Meissener Porzellan. Auch Bad Lausick, das sein Heilwasser aus den Tiefen der Erde holt, ist Partner im Vorhaben. Die Kooperation steht weiteren Kommunen ausdrücklich offen.

110621fossilienfundDr. Annett Krüger vom Institut für Geographie der Universität Leipzig, die seit 2003 an der Erkundung der geotouristischen Potentiale der Region arbeitet, attestiert dem geplanten Geopark Einmaligkeit unter den Geoparken in Deutschland. "Wir setzen nicht nur auf die Erdgeschichte, sondern auf den Umgang der Menschen mit den Rohstoffen ihrer Region und ihre besonderen Kompetenzen im Abbau der Verarbeitung und der Kunst."





Fotos: Holger Schilke (2), Dr. Viola Heß

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Empfehlung


<<  März 2017  >>
 Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So 
    1  2  3  4  5
  6  7  8  9101112
13141516171819
20212223242526
2728293031