Schaddeler Bahnwärterhäuschen ist Preisträger im Landesbauwettbewerb

Als 1877 die Strecke der „Muldentalbahn von Glauchau nach Wurzen“ eröffnet wurde, entstand das 41. Bahnwärterhäuschen in Schaddel. Wie alle derartigen getypten Anlagen besteht es aus dem bescheidenen, zweigeschossigen Bahnwärterwohnhaus und dem noch kleineren Dienstgebäude unmittelbar daneben. Nicht landschaftstypische, sondern nur 18 Grad flache Satteldächer wurden als weit überstehende Pfettendächer verzimmert und mit Dachpappe gedeckt. Die bewährte bauliche Ausführung war qualitativ auf der Höhe der Zeit und so solide, dass sie deutlich mehr als einhun¬dert Jahre bestand. Das Bahnwärterhäuschen verlor seinen Sinn, als im April 1945 die Strecke unterbrochen und danach nie wieder betrieben wurde.

Es diente weiterhin als Wohnhaus, auch wenn die baulichen Mängel längst unübersehbar waren. Das Bahngebäude entging durch einen glücklichen Umstand seinem Schicksal. Es wurde nicht nach Verfall abgerissen, sondern zu einem sehr individuell genutzten Wohnhaus moderni¬siert. Im deutschlandweit einmaligen sächsischen Landesbau – Wettbewerb 2011 bewarben sich die Bauherren mit ihrer ungewöhnlichen Arbeit erfolgreich und wurden mit einem anerkennenden Preis ausgezeichnet.

Seit 2001 ist das technische Denkmal im Privatbesitz. Der ersten Lösungsvorstellung wurde nicht nur offiziell widersprochen, sondern auch so sinnvolle wie akzeptable Gestaltungshinweise gegeben. So kam die sichtbare, vorbildliche Gestaltung zustande: Beide Gebäude sind durch einen nötigen, zurückhaltenden und nicht entstellenden Verbinder an der Ansichtsseite funktional vereint. Die Familie bezog das Haus im November 2004. Alle wichtigen Arbeiten wurden als eigene Leis¬tungen erbracht. Das baulich angepasste und gewandelte Denkmal wird sinnvoll umgenutzt, es bleibt klar erkennbar und kann lange Zeit dem Wohnzweck dienen. Wenn es in ähnlichen Fällen ein ähnliches Verständnis für Denkmale gäbe, wäre unsere Geschichte sehr reich an sinnvoll genutzten historischen Zeugen. Das Beispiel kann anregen, sich ähnlicher Denkmale anzunehmen und sie nicht nur vor dem Verfall zu bewahren.

Rudolf Priemer