stolpersteine090821An Paul Nikusch erinnert ab sofort nicht nur ein Straßenschild, sondern auch ein Stein im Pflaster vor seinem ehemaligen Wohnhaus. Der jüdische Maschinenfabrikarbeiter wurde 1942 aus rassistischen Gründen mitsamt seiner Familie ermordet. Zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Grimma wurden am Donnerstag, dem 20. August die Ersten der sogenannten „Stolpersteine“ in das Pflaster gesetzt.

„Diese Initiativen sollen an die Toten erinnern und die Lebenden mahnen“, sagte Oberbürgermeister Matthias Berger während der Verlegung am ehemaligen Haus der Familie Urbach. Am Projekt waren auch Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums St. Augustin beteiligt. Sie beschrieben die Stolpersteine mit ihren Worten: „Ein Stein, ein Mann, ein Schicksal. Wir wollen gegen das Vergessen der grausamen, semitistischen Verfolgungen handeln. Diese Steine sind nicht gewöhnlich – sie besitzen Glanz und Individualität aber auch eine brutale Geschichte.“

Das wahrscheinlich weltweit größte dezentrale Mahnmal ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Grimma ist bereits die 276. deutsche Kommune. Etwa 200.200 Stolpersteine hat er bereits verlegt, unter anderem auch in den Niederlanden, Polen, Österreich, Tschechien, der Ukraine und Ungarn. Ganz besonders freue es ihn, dass in Grimma die Initiative aus der Bürgerschaft kommt und sich das Gymnasium, die evangelische Kirchgemeinde und Privatpersonen sich für Aktion des lokalen Gedenkens an die Vertreibung und Vernichtung von Juden so stark machen.

Der Künstler wurde mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland sowie der Auszeichnung “Botschafter für Demokratie und Toleranz” geehrt.

Die Stolpersteine werden ausschließlich in Handarbeit hergestellt, die Gedenktexte in die speziell zugeschnittenen Messingplatten eingeschlagen. Die Stolpersteine werden auf die Straße oder auf den Gehweg direkt vor dem letzten frei gewählten Wohnort des Opfers eingelassen. Der Text enthält Name, Geburtsjahrgang, Deportationsjahr und den Todesort.

(Foto: Stadt Grimma)